Xiao - der absolute Gehorsam des Kindes den Eltern gegenueber - ist ein zentraler Gedanke der traditionellen chinesischen Gesellschaft, wie sie im heutigen Taiwan fortlebt. Mit diesem Instrument der totalen Beherrschung der Kinder bis ins Erwachsenenalter hinein haben Eltern seit Generationen die individuelle Entfaltung ihrer Nachkommen unter Kontrolle. In den Haenden heuchlerischer Eltern, die eigene charakterliche Schwaechen hinter dem Pochen auf Einhaltung konfuzianischer Prinzipien verstecken, kann das Leben in der Familie, der Mikroprojektion des konfuzianischen Staates, fuer die Kinder zur Hoelle werden. In der Konfrontation der alten chinesischen Kultur mit dem modernen Drang der Jugend nach Selbstverwirklichung ergibt sich fuer einen jungen introvertierten Menschen ein kaum zu loesender Konflikt, der sich auch in seiner Sprache als Ablehnung der korrekten Artikulation, als Weigerung der Uebernahme ueberkommener Sprachbilder, als Rechtfertigungsnot vor einer uebermaechtigen, orthodoxen Gesellschaft aeussert. Fuer den deutschen Leser wird ein Roman entdeckt, der wie kein anderer die literarische Szene Taiwans erschuettert hat und der auch das westliche Publikum tief beruehren wird. Urspruenglich als Plagiat des Ulysses verkannt, ist die Familiaere Katastrophe inzwischen zu einem Literaturdenkmal geworden, das hinsichtlich Inhalt, Struktur und Sprache seinesgleichen sucht. Dem sprachwissenschaftlich interessierten Leser wird fuer das Chinesische ein Einblick in die Moeglichkeiten der sprachlichen Manipulation geboten, wie sie Joyce am Englischen und Arno Schmidt am Deutschen exemplifiziert haben.
ISBN: | 9783631417706 |
Publication date: | 1st December 1989 |
Author: | Anton Lachner |
Publisher: | Peter Lang Edition an imprint of Lang, Peter, GmbH, Internationaler Verlag der Wiss |
Format: | Paperback |
Pagination: | 378 pages |
Series: | Europaische Hochschulschriften : Reihe 27: Asiatische Und Afrikanische Studien |
Genres: |
Language: reference and general |