Ein Freudentanz im Kartoffelkeller, ein Handstand am Rauchfang eines Hochhauses oder eine Nacht im Müll-Container der der Wiener Gebietskrankenkasse - fünf Autorinnen und Autoren haben Menschen, die oft nur noch wenige Tage zu leben hatten, nach ihren größten Momenten gefragt: Welche Erinnerungen beschäftigen noch am Sterbebett? Es sind Geschichten mit Pointen, die nur das Leben setzen kann, kleine Vorfälle oder große Dramen, doch sie gehen alle unter die Haut - wie jenen, die sie selbst erlebt und nie wieder vergessen haben.
'Ein Buch, das sich an die Grenze des Lebens wagt, ohne dem Pathos das Feld zu überlassen. Die Autoren beweisen nicht nur Mut, sondern auch Können.' - Jakob Hübner, 'City'
'Eine würdige Idee für eine Gratwanderung zwischen Humor und Schmerz.' - Michaela Knapp, 'Format'
'Handstand am Hochhaus' ist eine Erzählung von Nadja Bucher die auf Basis eines Gesprächs mit Eduard Politzer (geboren 1912) beruht.
Ich war damals, 1928, sechzehn Jahre alt und stand kurz vor meiner Artistenprüfung als so genannter Parterre-Akrobat, einer Art Bodenturner mit künstlerischen Ambitionen. Ich wohnte in der Wiener Roseggergasse, und ganz in der Nähe war ein neuer achtstöckiger Gemeindebau errichtet worden, der als erstes Hochhaus des Wiener Stadtteils Ottakring galt. Zuvor hatte es auf dem Grund nur Wiesen und Tümpel gegeben.
'Die Ohrfeige' ist eine Erzählung von Nadja Bucher die auf Basis eines Gesprächs mit Felix Erzen (geboren 1922) beruht.
Plötzlich holte ich zum Schlag aus. Ich war voller Wut. Meine Hand landete schallend in Roberts Gesicht. 'So spricht man mit niemandem, und schon gar nicht mit seiner Freundin,' schrie ich ihn an.
'Dreimal Anna' ist eine Erzählung von Nadja Bucher die auf Basis eines Gesprächs mit Karl Enne (geboren 1910) beruht.
Ich erkannte Anna sofort wieder. Schon beim Eintreten in das Restaurant in Wien Hernals sah ich sie alleine an einem Tisch sitzen. Sie war noch so hübsch wie damals, nur fünfzehn Jahre älter. Auch bei ihr hatte der Zweite Weltkrieg Spuren hinterlassen. Sie war kein Mädchen mehr, sondern eine schöne, fünfunddreißigjährige Frau.
'Frauenkäfer' ist eine Erzählung von Nadja Bucher die auf Basis eines Gesprächs mit Felix Erzen (geboren 1922) beruht.
Heute Vormittag öffnete ich meine Terrassentür. Wir haben April und der Winter ist vorbei. Ich wollte Sonne und Frühlingswärme in mein Zimmer im Pflegeheim lassen. Meinen Sessel stellte ich in den herein fallenden Sonnenkegel. Ich machte es mir bequem und blickte hinaus.